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Last Update 2017.09.01

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Refugees

Ein Jahr als Flüchtling in Deutschland

Ala‘a, Ali, Khalid und Omar haben vor über 3 Jahren die Flucht vor Krieg und Terror im Irak angetreten. Nun leben Sie knapp ein Jahr in Deutschland, genauer gesagt in Sinn, einer Gemeinde in Hessen.

Warum Flucht?
„Trete zum IS über…“ – und töte morgen vielleicht schon deine eigene Familie. Oder mach es nicht, - dann stirb sofort!
Als junger Mann und potentieller Kämpfer oder Feind des IS hat man in den Krisenregionen oft nicht einmal die Wahl zwischen Pest und Cholera – sondern nur zwischen Tod und Tod. Dem seelischen, oder dem physischen. Keinem der vier jungen Männer ist es leicht gefallen, seine Familie zurück zu lassen. An einem Ort und in einer Zeit, wo man nicht nur die Befürchtung von Gewalt, Vergewaltigung und Mord hat, sondern die Gewissheit.
Ala‘a verlies seine Heimat im Frühjahr 2013.  Zunächst lebte er einige Zeit in Jordanien. Als der IS auch dort vorzurücken drohte, zog er weiter über die Türkei und Griechenland nach Mazedonien. Ab dort ist er gelaufen. Über Serbien, Ungarn, und Österreich schließlich nach Deutschland eingereist. Die Vier haben sich auf der langen Flucht getroffen und kennengelernt. Über Passau und Gießen kamen sie schließlich nach Sinn.
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Omar, Khalid (hinten), Ali und Ala‘a auf dem Hessentag in Herborn

Sie fühlen sich gut hier. Feindseligkeiten, sagt Ala‘a, haben sie keine erlebt. Im gleichen Atemzug spricht er aber noch von einem Freund, der sich nicht aus dem Haus traut. Er lebt in Sachsen.


Portrait

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Ali, 24 Jahre alt, ist Fahrstuhltechniker und kommt aus Bagdad. Bisher hat er 25 Freunde und Familienangehörige verloren. Kurz vor der Flucht starb sein bester Freund in den Kriegswirren. Während der Zeit, in der ich für diesen Bericht recherchierte, starben weitere 5 Freunde Ali‘s bei einem Attentat in Bagdad - einen Tag vor dem Zuckerfest.

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Ala‘a ist Fischer und Automechaniker. Er ist 25 Jahre alt und kommt aus Basra. Seine Familie ist auch nach Deutschland geflüchtet, aber im über 200 km entfernten Vlotho, in Nordrhein-Westfalen, untergekommen. Er versucht nun eine Verlegung dorthin zu erlangen, um bei seiner Familie zu sein

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Khalid ist Arabisch Lehrer, 30 Jahre alt. Er kommt aus Salah ad Din, einer Gegend, in der es fast nur noch Trümmer gibt.

Omar, 29 Jahre alt, ist aus Mossul geflüchtet. Dort lebt noch seine Verlobte. Sie ruft täglich an, um mit ihm zu reden – und ihr Leid in der Heimat zu teilen. Omar versteht und spricht schon erstaunlich gut Deutsch. Er ist begierig –saugt alles Deutsche geradezu auf.


Wer hilft?

Zum Beispiel Male Rinsland, - ehrenamtlich. Ohne jegliche Arabisch-Sprachkenntnisse hat sie schon kurz nach der Ankunft der Flüchtlinge in Sinn Deutschkurse organisiert und abgehalten. Kommunikation und Verständigung war Anfangs die größte Herausforderung. Mit Gesten, Papierskizzen, praktischen Übungen und dem Smartphone hat Sie den Menschen Deutschland erklärt. Zumindest soweit, daß sie bei uns einen guten Einstieg hatten. Vor allem aber ihre Fähigkeit, sich in Menschen hinein zu denken und zu fühlen, trägt maßgeblich zum Erfolg ihrer Mission bei.

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Mithilfe von Smartphone und Übersetzungs- programm ein wenig Kommunikation ermöglichen. Um etwas vom Anderen zu erfahren, sich kennenzulernen oder wichtige Anträge ausfüllen zu können.

Ebenso Frau Kerber, von der Sprache & Bildung GmbH. Sie unterrichtet die jungen Männer im Integrationskurs in Niederscheld. Ein sehr wichtiger Teil ihres Lebens hier, um die Integration zu schaffen.

Male Rinsland im Gespräch mit Khalid. Sie ist von den Vieren mit dem Titel „Ihre Mama in Deutschland“ geehrt worden.

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Dankbarkeit, Selbstverständnis und wenig Beschäftigung

Bei Bedarf helfen und reparieren sie in Haus und Garten von Frau Rinsland – selbstverständlich und unentgeltlich. Das ist zum Einen eine willkommene Abwechslung im sonst eher eintönigen Alltag (Arbeiten dürfen sie noch nicht), zum Anderen eine gern genutzte Möglichkeit, Dankbarkeit zu zeigen.

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Omar hilft Male das Feuerholz für den Winter zu machen. Khalid hat den Rasen gemäht und walzt nun neue Farbe auf die Garagenwand.

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Ali (vorne) und Frieder, ein Sohn von Male Rinsland, kümmern sich ums Feuerholz.

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Mit Freude präsentiert Ala’a hier seine Zulassung als Berufsfischer. Er ist auch noch Automechaniker, darf aber wegen der noch ausstehender Anerkennung nicht arbeiten.

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Ali und Male Rinsland beim Einlagern des Scheitholzes.

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Ali, Ala'a und Khalid (v.l.n.r.) zu Gast bei Male Rinsland zum "Kaffeekränzchen„.

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Male Rinsland (rechts)  versucht hier mithilfe von Smartphone und Übersetzungsprogrammen etwas Kommunikation zu ermöglichen, um einen Antrag auf Verlegung für Ala'a ausfüllen zu können. Seine Familie ist auch aus dem Irak geflüchtet, jedoch in Vlotho (Nordrhein-Westfalen) untergebracht.


Und jetzt, nach einem Jahr?

Ala‘a freut sich, daß einer der Nachbarn nun auch „Hallo“ sagt, wenn er ihn grüßt – nach über acht Monaten, das erste Mal! Aber – Annäherung findet statt! Manchmal muss man ihr eben Zeit geben.

Ich habe nun vier fremde, aber ebenso freundliche und liebenswerte Menschen kennengelernt - eine Bereicherung für mein Leben.

Ich wünsche ihnen, daß ihr eigener Wunsch bald in Erfüllung geht: „Arbeiten, und mein Leben leben“, wie Ala‘a sagte.

Ende

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Ala'a, Ali, Omar und Khalid im Eingang ihrer Unterkunft, einem ehemaligen Fotostudio in Sinn.


© Text und Fotos: Klaus Kinner, 05.08.2016